Das Ursulinenkloster -

Ein Fachwerkhaus in Duderstadt

•  errichtet vor 300 Jahren 
in Duderstadt am neuen Tor
in der damals ĂĽblichen Weise:
ein Fachwerkhaus;

•  errichtet fĂĽr die zur KlostergrĂĽndung kommenden Nonnen:  ein Klosterhaus;

•  errichtet fĂĽr die zum Schulemachen bereiten fĂĽnf Ursulinen aus Erfurt, denen es um die Mädchen ging: ein Ursulinenhaus.

Ein Ursulinenklosterfachwerkhaus
 

Die Gemeinschaft - ein Fachwerk

Ein Fachwerkhaus erkennt man sofort an den Balken, den zumeist dunkel gestrichenen Balken.
Da sind die senkrecht stehenden, die Ständer. Standhalten können und Tragfähigsein ist ihr Ding. Sie sind in sich fest, aus gutem Holz. Für ihre Aufgabe brauchen sie ein solides Steinfundament, auf dem der Schwellenbalken aufliegt.. In ihn sind die Ständer eingezapft. Dann stehen sie gerade da, die Ständer: in angemessenen Abständen, klar in einer Linie. Viele tun da ihren Dienst, keiner ist isoliert, keiner ist allein für das Ganze verantwortlich.
 

Dann sind da die kurzen Querbalken zwischen den Ständern, die Riegel, und die schräg gestellten Streben. Quer und schräg liegen oder stehen sie, aber ohne sie  - wo käme die Balance her? Ohne sie ginge die Ausrichtung nach oben verloren! Wie wichtig ist hier das Quere und das Schräge, es hält aufrecht und schafft  Verbindung, gibt Sicherheit und Standfestigkeit und auch Elastizität. Architekten behaupten, Fachwerkhäuser hätten einen hohen Grad davon. Das kann man nur bestätigen, wenn man in alten Städten immer wieder schief gewordene Fachwerkhäuser entdeckt. Ein solches Haus stĂĽrzt eben nicht gleich ein, wenn die Kraft eines Balkens nachlassen sollte. Jeder stĂĽtzt jeden. So wird das Ganze durch das Miteinander tragfähig. und das nächste Stockwerk oder das Dach kann aufgesetzt werden.

Fenster - Ausblick zur “Welt”

Fenster sitzen jeweils in zwei übereinander liegenden Gefachen. Sie sind gross, und lassen das Haus offen und freundlich erscheinen. Sie geben Ausblick und von innen Zeichen von Leben nach aussen. Sie lassen Licht und Luft herein und die Räume werden hell.

TĂĽren - Zeichen von Offenheit

Und dann die TĂĽren!
Die sind am Fachwerkhaus etwas ganz Besonderes. Aus starkem Eichenholz sind sie, sogar noch durch gewölbte Hölzer verstärkt, ein kräftiger Schutz.

 

Was wie Verschlossenheit aussieht, wird gewandelt zu Offenheit, wird am Haupteingang sogar zu einer Einladung durch einen mit Blumen durchsetzten Früchtestab, durch eine Lilienkette an der alten Schulpforte. Hier sind also Gäste, hier sind Schülerinnen willkommen.

Von einem TĂĽrsturz her sagt das Haus sogar: „Pro Vero pUeLLarUM bono et saLUte perpetUa sUrreXI. O DeUs faVe.“
„FĂĽr das wahre Wohl der Mädchen und fĂĽr ihr ewiges Heil bin ich errichtet. O Gott, schenke Segen.“
Das also ist es, wofĂĽr dieses Haus steht: hier haben junge Menschen Raum, hier werden sie in ihrem Menschsein ernst genommen und ganzheitlich gefördert, so dass sich ihr Leben sinnvoll und ihren Möglichkeiten entsprechend vollziehen kann. Das also wollten die fĂĽnf Ursulinen um 1700 in Duderstadt beginnen, als es hier noch keine Schule  und keinerlei Ausbildungsmöglichkeit fĂĽr Mädchen gab. Die Schule hat sich natĂĽrlich von damals bis heute gewandelt, geblieben aber ist das Anliegen, das den Ursulinen auch Auftrag der Kirche ist: eine Bildung junger Menschen, in der es uns um den Menschen geht, wie es Gott um den Menschen geht. Und wenn die Ursulinen z.Zt. hier nicht mehr Schule halten können, so geht es ihnen weiter um den Menschen. Manchem tut es gut, im Kloster einen Raum zu finden, der ihn aufatmen lässt.  .

Das Fachwerkhaus hat noch eine TĂĽr, die wenigsten entdecken sie. Eigentlich ist sie immer geschlossen – zur Sicherheit ! Menschen gehen hier grundsätzlich nicht aus und ein, sie liegt nämlich hoch oben im Dach ! FrĂĽher hat man durch sie Waren auf den Boden gezogen, auf den Speicher. Die Zeiten sind vorbei! Die TĂĽr hat einen Vorteil: Sie schliesst nicht mehr richtig. Durch sie finden Vögel Unterschlupf, auch Fledermäuse finden sie ideal. Die TĂĽr ist geradezu eine Einflugsschneise......

Balken und Gefach, Fenster und Türen bilden in ihrer Ausgewogenheit eine Einheit, die Balken geben dem Haus die äussere Struktur.

In der inneren Anlage ist die Kapelle der ordnende Faktor. Sie ist die Mitte des Hauses und liegt in der Mitte des Hauses, zugänglich vom Schwestern- wie vom Gästebereich. Hier ist der Ort des gemeinsamen Gebetes, des Gotteslobes, hier ist der Ort des stillen Verweilens vor dem Herrn in Anbetung und Fragen, in Dank und Bitte.

Das Haus hat Raum und Räume für die Schwestern zum gemeinsamen Mahl, für die Bibliothek, für die gemeinsamen Gesprächs- runden, für offizielle Zusammenkünfte, für Unterhaltung und Spiel, und für jede einen persönlichen Bereich.

Für die Gäste stehen einladende Zimmer und Besprechungs- sowie
Begegnungsräume bereit.

 

URSULINENKLOSTERFACHWERK-
HAUS

Text: Sr. Justina Kaboth, Duderstadt

† 12.09.2010

 

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Das Ursulinenkloster in Duderstadt