Das Ursulinenkloster in Duderstadt

 August 2017

 

Ferien geben uns Muße, Dinge zu tun, für die wir uns sonst wenig  Zeit nehmen, Dinge zu sehen, über die wir im Alltag wenig nachdenken.

In einem naturkundlichen Museum bewunderte ich Fossilien, die mich wegen ihrer Form und ihres Alters besonders faszinierten. Was vor urdenklichen Zeiten wirklich war, was lebendig war, wird uns in diesen Abbildern der Wirklichkeit in großer Schönheit und Klarheit gezeigt.

Wie ein Spiegel dazu fiel mir ein Text ein, den der bekannte Alttestamentler Prof. A. Deißler zum Thema „Die 10 Gebote“ schrieb; für viele Zeitgenossen sind die 10 Gebote nichts weiter als ein moralischer Zeigefinger aus längst vergangenen Zeiten. Aber Prof. Deißler legt die ursprüngliche Absicht dieses Dekaloges offen und macht uns sehend für die Schönheit dieses Textes:

Nicht „Ich bin der Herr, dein Gott.“ war der ursprüngliche Vorspann der Gebote, sondern „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten herausgeführt hat.“ Hier ist nicht von einem Herrn die Rede,   der von oben herab „kommandiert“, nein, es ist der Gott Israels, der dem Volk ganz nahe ist, der da ist und aus der großen Not der Sklaverei das Volk herausgeführt hat, also ein Gott, der nahe sein will, der mitleidet und befreit.

Und die Gebote übersetzt er mit  „Du wirst nicht stehlen“, „Du wirst nicht ehebrechen“, „Du wirst nicht …“.

Kein vorgeschriebenes „Du sollst nicht …“, sondern eine Zuversicht:

Wer Gott auf seiner Seite weiß, wird nicht sich und anderen Schaden zufügen. Das ist eine große Verheißung und macht unseren Gott zu dem, was er wirklich sein will und ist: Ein Gott der Nähe, des Trostes und der Zuversicht. So ist Gottes Wirklichkeit.

 

DChile 2013-Forts.1 041-klein

 Juli 2017

 

Am 22. Juli feiert die Kirche das Fest der hl. Maria Magdalena.
Was zeichnete die hl. Maria Magdalena aus?
In der Osterliturgie wird von ihr gesagt, dass ihr als erste der Auferstandene begegnet ist und sie mit der Osterbotschaft zu den Jüngern geschickt wurde.
Das Foto zeigt eine andere Episode aus den Evangelien-Texten: Maria Magdalena wäscht Jesus vor den Augen der Pharisäer die Füße. Auch wenn man nicht genau weiß, ob es dieselbe Person ist, von der in der Osterliturgie gesagt wird: „Der Herr sprach zu Maria Magdalena: Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh. 20,17), so zeigt diese Darstellung doch sehr deutlich, dass Maria Magdalena mit einer großen Sehnsucht und Aufmerksamkeit dem Herrn Gutes tun wollte, bei dem Mahl, die müden Füße zu salben, beim Begräbnis den ganzen Körper. Beides geschah mit einer großen „Zivilcourage“,

P1100359juli-kl

Hildesheimer Dom * Taufbecken * Detail: Maria Magdalena wäscht Jesus die Füße

wie wir heute sagen würden, denn ihre Handlungsweisen waren in beiden Begebenheiten für sie als Frau in der damaligen Zeit anstößig und schwer nachvollziehbar für die Menschen ihrer Zeit. Sie hat nicht gefragt, ob ihr Handeln anderen gefalle, ihr Denken und Tun war ganz und allein auf den Herrn fixiert. So war sie – wie wir heute sagen – eine sehr authentische Person, die nicht fragte, was Leute von ihr dachten. Und so durfte sie als erste dem Herrn nach seiner Auferstehung begegnen, und diese Botschaft behielt sie nicht für sich.


Vielleicht kann man viel von ihr lernen.


 

Text: Sr. Ingeborg Wirz OSU
Foto: Christoph Mischke

Foto und Text: Sr. Ingeborg Wirz OSU