Das Ursulinenkloster in Duderstadt

 Oktober 2017

 

„Ich habe für dich ein paar Weintrauben – magst du ein paar Weintrauben?“

Mehrfach ist diese Frage in diesem Jahr an mich gestellt, es scheint ein besonderes Jahr für die Trauben-Ernte zu sein. Ich habe mich darüber gefreut! Es teilt jemand mit mir die Fülle seiner Ernte.
Empfangen und Teilen, das ist Erntedank! Im Oktober feiern wir Erntedank, eine Zeit der Danksagung für Empfangenes. Danksagen heißt, einem Du gegenüberstehen, mit ihm die Fülle des Empfangenen teilen: „Ich habe ein paar Weintrauben für dich!“
Wenn wir also im Gottesdienst Dank sagen, dann ist dieses Du, mit dem wir Empfangenes teilen, Gott selbst.
Und das Wunderbare: Das Empfangene kommt von dem, mit dem wir das Empfangene teilen: Gott gibt und teilt – das ist Erntedank!

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ (Joh. 15. 5)
 

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Foto und Text: Sr. Ingeborg Wirz OSU

 September 2017

 

„In längst vergangenen Tagen“

Das Bild zeigt Maria, Patronin des Hildesheimer Domes, mit dem Kind mit „göttlichen“ Kronen.

Im Hintergrund – und das kann man nur erahnen – schattenhaft zu sehen: der 1000-jährige Rosenstock. Ein Bild großer Hoffnung:

Denn so schreibt der Prophet Micha:
„So spricht der Herr: Du Bethlehem-Efrat so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Sein Ursprung liegt in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen.“ (Mich. 5,1)

Unbedeutendes wird zum Boden für ganz Großes, Bethlehem der Anfang der Erlösung, der Ursprung des Heils in längst vergangenen Tagen.

Mir fällt der Rosenstock an der Apsis des Hildesheimer Domes ein:

Nach totaler Zerstörung des Domes im 2. Weltkrieg erblüht aus der Asche neues Leben, das vor 1000 Jahren seinen Anfang nahm, „in längst vergangenen Tagen“, erblühte neu der Rosenstock. Er wird zum Sinnbild für das Heilsgeschehen Gottes, das seinen Ursprung in längst vergangenen Tagen nahm.

Und der Prophet Micha schreibt weiter:

„Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, im hohen Namen Jahwes, seines Gottes. Sie werden in Sicherheit leben; denn nun reicht seine Macht bis an die Grenzen der Erde. Und er wird der Friede sein.“ Mich. 5, 3-4a)

Maria, das Kind, der Rosenstock: Verkünder des Heilwillens Gottes – mag der Ursprung auch in längst vergangenen Tagen liegen – sie sind uns Ermutigung in einer unheilvollen Wel
t.

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Dom zu Hildesheim

Foto und Text: Sr. Ingeborg Wirz OSU

 August 2017

 

Ferien geben uns Muße, Dinge zu tun, für die wir uns sonst wenig  Zeit nehmen, Dinge zu sehen, über die wir im Alltag wenig nachdenken.

In einem naturkundlichen Museum bewunderte ich Fossilien, die mich wegen ihrer Form und ihres Alters besonders faszinierten. Was vor urdenklichen Zeiten wirklich war, was lebendig war, wird uns in diesen Abbildern der Wirklichkeit in großer Schönheit und Klarheit gezeigt.

Wie ein Spiegel dazu fiel mir ein Text ein, den der bekannte Alttestamentler Prof. A. Deißler zum Thema „Die 10 Gebote“ schrieb; für viele Zeitgenossen sind die 10 Gebote nichts weiter als ein moralischer Zeigefinger aus längst vergangenen Zeiten. Aber Prof. Deißler legt die ursprüngliche Absicht dieses Dekaloges offen und macht uns sehend für die Schönheit dieses Textes:

Nicht „Ich bin der Herr, dein Gott.“ war der ursprüngliche Vorspann der Gebote, sondern „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten herausgeführt hat.“ Hier ist nicht von einem Herrn die Rede,   der von oben herab „kommandiert“, nein, es ist der Gott Israels, der dem Volk ganz nahe ist, der da ist und aus der großen Not der Sklaverei das Volk herausgeführt hat, also ein Gott, der nahe sein will, der mitleidet und befreit.

Und die Gebote übersetzt er mit  „Du wirst nicht stehlen“, „Du wirst nicht ehebrechen“, „Du wirst nicht …“.

Kein vorgeschriebenes „Du sollst nicht …“, sondern eine Zuversicht:

Wer Gott auf seiner Seite weiß, wird nicht sich und anderen Schaden zufügen. Das ist eine große Verheißung und macht unseren Gott zu dem, was er wirklich sein will und ist: Ein Gott der Nähe, des Trostes und der Zuversicht. So ist Gottes Wirklichkeit
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